WENN DIE ARBEIT NICHT MEHR PASST

Klärung - Beobachtungen aus Journalismus, Medienwelt und Coaching

 

Viele Menschen suchen kein Coaching, weil alles zusammengebrochen ist. Sie funktionieren noch.
Sie machen ihre Arbeit oft gut.
Von außen wirkt vieles stabil.

Und trotzdem stimmt etwas nicht mehr.

 

Manchmal zeigt es sich nur in kleinen Sätzen.

„Ich erkenne mich darin nicht mehr wieder.“

Oder:

„Eigentlich müsste ich zufrieden sein.“

 

Oft sind es Menschen, die lange Verantwortung getragen haben. Die ihren Beruf beherrschen. Die gelernt haben, Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen und durchzuhalten.

Gerade deshalb merken sie oft spät, dass etwas verloren gegangen ist.

Nicht unbedingt die Leistungsfähigkeit.

Eher die Verbindung zur eigenen Arbeit.

 

 Besonders häufig beobachte ich das bei Menschen aus Redaktionen und Medienhäusern.Vielleicht weil dort lange Zeit vor allem Tempo, Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit zählten. Und weil viele gelernt haben, auch dann noch professionell zu funktionieren, wenn die innere Verbindung zur eigenen Arbeit längst brüchig geworden ist.

Viele haben sich über Jahre angepasst – an Redaktionen, Unternehmen, Vorgesetzte, Erwartungen und Veränderungen. Manche mit großer Professionalität. Manche auch mit großer Härte gegen sich selbst.

 

Und irgendwann reicht das nicht mehr.

Dann entsteht eine eigentümliche Unruhe.

Nicht laut. Nicht dramatisch.

Eher das Gefühl, innerlich nicht mehr ganz am richtigen Ort zu sein.

 

Was ist aus dem Antrieb geworden, unbedingt Journalist sein zu wollen?

Wo ist der Traumjob hin, die Leidenschaft und Begeisterung, die jeder kennt, wenn die ersten Namensartikel in der Lokalzeitung erschienen sind, die erste Live-Reportage im Radio gesendet oder der erste Blog-Artikel erfolgreich gepostet?

 

Und auch der Stolz, sagen zu können: Ich bin Journalist bei ...

 

Im Coaching geht es deshalb oft zunächst nicht um schnelle Entscheidungen. Nicht sofort um Kündigung, Neuanfang oder Optimierung.Sondern um etwas Schwierigeres:

Wieder genauer wahrzunehmen, was fehlt.

Und was bleiben soll.

 

Denn nicht jede Erschöpfung bedeutet, dass alles falsch war.

Und nicht jede berufliche Krise verlangt einen radikalen Schnitt.

Manchmal geht es eher darum, die eigene Sprache wiederzufinden. Die eigenen Maßstäbe. Die Dinge, die im Laufe vieler Jahre zu leise geworden sind.

 

Klärung braucht dabei nicht unbedingt schnelle Antworten.

Aber einen Ort, an dem man genauer hinschauen kann.

Und manchmal beginnt sie einfach mit dem Moment, in dem jemand genauer zuhört als bisher.

 

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